Bayernliga Süd: Böse Abreibung für den TSV
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Mario Taglieber (links, rechts Julian Bosch) ist aktuell der TSVler mit den meisten Spielminuten. An der Klatsche konnte er aber auch nichts ändern. Foto: Dieter Michalek |
17.03.2025 | Quelle: Rieser Nachrichten
In Heimstetten kassiert der TSV Nördlingen eine 1:6-Klatsche. Auch wenn viele Verletzte fehlen, sieht Coach Kerscher es damit allein nicht erklärt.
Es ist eine, sagen wir mal, überschaubare Angelegenheit, die sich an diesem bitterkalten Nachmittag im Gästeblock des Heimstettner Sportparks abgespielt hat. Dort hielten handgezählte vier Fans des TSV Nördlingen – drei Fahnenschwinger und ein Trommler – wacker die Stellung und feuerten ihre Mannschaft in diesem Bayernligaspiel über 90 Minuten unermüdlich an. Dabei taten die Gäste-Kicker nicht gerade viel, um die Laune des Quartetts im Gästeblock zu heben. Vielmehr zeigten die Nördlinger beim abstiegsbedrohten SV Heimstetten eine über weite Strecken blutleere Vorstellung und gingen am Ende verdient mit 1:6 (1:3) als Verlierer vom Platz.
„Das ist natürlich ein richtiges Brett“, sagte Trainer Daniel Kerscher mit Blick auf die herbe Klatsche für sein Team. „Wir hatten viele Ausfälle und haben am Ende mit einer halben U23-Mannschaft gespielt. Aber trotzdem darfst du hier keine sechs Gegentore kassieren.“ So verärgert der Nördlinger Trainer über den Verlauf dieses Fußballnachmittags war, so zufrieden gab sich sein Pendant auf der Gegenseite. „Man hat heute von der ersten Minute an gemerkt, dass hier nur eine Mannschaft gewinnen kann – und das ist der SV Heimstetten“, sagte Roman Langer. „Der Sieg war mehr als verdient. Das hat richtig Spaß gemacht.“
Ganz und gar spaßbefreit verlief die Partie hingegen für die Gäste, die sich 120 Sekunden nach dem Anpfiff bereits das erste Gegentor einfingen – durch einen gezielten Schlenzer von Lukas Riglewski. Der Heimstettner Kapitän blieb auch in der Folgezeit die prägende Figur der ersten Halbzeit. Nicht nur erhöhte Riglewski kurz nach dem Führungstor mit einem weiteren platzierten Schuss aus 16 Metern auf 0:2. Sondern nach gut einer halben Stunde veredelte der 31-Jährige seinen Doppelpack sogar noch zum lupenreinen Hattrick, indem er einen berechtigten Foulelfmeter zum 0:3 versenkte.
Nach diesem Strafstoßtor gingen die Platzherren merklich vom Gas, wodurch Nördlingen besser ins Spiel und auch zum Anschlusstreffer kam. Dabei tauchte Jan Reicherzer in der 38. Minute plötzlich frei vor dem gegnerischen Gehäuse auf und schob die Kugel flach und überlegt zum 1:3 ins Netz. Als Jonathan Grimm wenig später eine weitere Schusschance für den TSV verzeichnete, dürften sich bei den vier Schlachtenbummlern im Gästeblock leise Hoffnungen auf eine Aufholjagd geregt haben.
Doch diese zerschlugen sich nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff. Denn da präsentierte sich die Nördlinger Hintermannschaft bei einem Konter einmal mehr zu unsortiert. Nutznießer war Heimstettens Severin Müller, der mit seinem siebten Saisontor zum 1:4 für die Vorentscheidung sorgte. „Die Gegentore sind zu den unglücklichsten Zeitpunkten gefallen“, haderte Nördlingens Trainer Daniel Kerscher. Demgegenüber bezeichnete SVH-Coach Roman Langer das vierte Tor seiner Mannschaft als „Killer“, das den Sack endgültig zugemacht habe. „Damit war die Sache durch“, so der Heimstettner Trainer.
Allein das Leiden der Gäste war damit noch nicht vorbei. Wobei sie zunächst einmal Moral bewiesen und trotz des deutlichen Rückstands mutig nach vorne spielten. So verpasste Jan Reicherzer kurz nach dem 1:4 nur haarscharf einen zweiten Treffer, als sein Schuss aus spitzem Winkel an den Pfosten klatschte. In der 70. Minute scheiterte Jonathan Grimm dann abermals am Heimstettner Keeper – und spätestens jetzt dürften die Gedanken der Nördlinger Fans zu ihrem 14-Tore-Stürmer Alexander Schröter gewandert sein, der an diesem Nachmittag ebenso wenig mitwirken konnte wie Sturmkollege Simon Gruber.
Bei Heimstetten dagegen war die komplette Offensivabteilung an Bord – inklusive des 1,93 Meter großen Jordi Woudstra, der sich in der 72. Minute auch noch in die Torschützenliste eintrug. Nach einer feinen Hereingabe von Kubilay Celik schob der hoch aufgeschossene Angreifer die Kugel überlegt an Torwart Florian Rauh vorbei ins Gehäuse zum 5:1. Und damit nicht genug: Kurz vor dem Abpfiff machten die Gastgeber durch einen letzten Treffer des eingewechselten Filip Vnuk das halbe Dutzend voll und besiegelten die höchste Nördlinger Niederlage dieser Saison.
Durch die 1:6-Abreibung rutschen die Schwaben auf den achten Platz ab, während sich Heimstetten etwas Luft im Abstiegskampf verschafft. „Aktuell sterben wir ein bisschen in Schönheit. Wir müssen wieder Fußball arbeiten, schönen Fußball spielen kommt dann wieder von selbst“, so Daniel Kerscher abschließend.
SV Heimstetten: Knauf, Cavadias (82. Roßbach), Günzel, Lommer (78. Gebhart), Kehl, Steimel, Sakhi Zada (69. Mauerer), Müller, Riglewski (69. Lindner), Woudstra, Celik (74. Vnuk)
TSV Nördlingen: Rauh, Käser, Puscher, Grimm, Reicherzer, Mielich (82. Rathgeber), Bosch (82. Schmid), Schmidt, Taglieber, Mayer (71. Hopfauf), Rauser (78. Pesut)